In einem bis in den letzten Winkel vollen Klassenzimmer erwarteten die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9 der Realschule Ailingen voller Spannung die Autorin Cornelia Franz. Daniele Lupardi, Deutschlehrer der 9c und Vorsitzender der Deutsch-Fachschaft hatte die in Hamburg lebende Schriftstellerin im Rahmen des Deutschunterrichts in die Schule eingeladen, um zu ihrem Roman „Ins Nordlicht blicken“ mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.

Im Vorfeld hatten die Jugendlichen das Buch gelesen und Fragen, die sie der Schriftstellerin stellen wollten, formuliert. „Wie kommt man zum Schreiben?“, „Wie kamen Sie auf den Titel?“, „Welchen Bezug haben Sie zu Grönland?“, „Kennen Sie die Sprache der Inuit?“ Diese und andere, auch sehr persönliche Fragen, wurden der Autorin gestellt.

Die Realschüler erlebten hautnah eine Schriftstellerin,
die über ihr eigenes Buch im Diskurs
mit den Schülerinnen und Schülern reflektiert,
durch die gestellten Fragen Dinge neu entdeckt
und aus ihrer Schriftstellerarbeit erzählt.

Nach einer ersten allgemeinen Fragerunde, las Cornelia Franz einige Seiten aus ihrem Roman vor: Der sechsundzwanzigjährige Jonathan Querido, befindet sich im Jahr 2020 auf der Fahrt von Hamburg nach Grönland. Der Klimawandel hat die einst stark vergletscherte Insel in ein grünendes Eiland verwandelt. Alles ist anders geworden, seit der Protagonist im Jahr 2011 die Insel verließ, um in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Damals hatte er noch Pakkutaq Wildhausen geheißen. Nun kehrt er, durch ein Verbrechen und verfolgt von Schuld und Ängsten, in eine ihm zugleich sehr vertraute und doch so fremde Welt zurück, um auf den Spuren seiner Identität Vergangenes zu bewältigen und Aktuelles zu verarbeiten. Es stellt sich die Frage, ob der Mensch seinem Sein durch Flucht und Verdrängung entkommen kann, oder ob sich die Realität doch das zurückholt, was man nicht zu verleugnen vermag: das Gewesene…

Anschließend erhielten die Anwesenden in einer Fragerunde viele Einblicke in die Erzählung und in das Leben der Figuren, die, so Cornelia Franz, bald im Schreibvollzug des Romans lebendig werden und ein eigenes Leben zu führen beginnen. Die Realschule Ailingen ist die erste Schule, der die Autorin aus der nächstjährigen Prüfungslektüre vorgelesen hat.

Sehr erfreut äußerte sie sich über das große Interesse und über den differenzierten Tiefgang der gestellten Fragen.
Aus diesem Grunde erhielten die drei neunten Klassen noch ein tolles Angebot:
„Ihr könnt mir gern eine Mail schreiben und mit mir in Kontakt bleiben!“

Im kommenden Jahr möchte Cornelia Franz auf einer Baden-Württemberg Tournee auch anderen Schulen die Möglichkeit anbieten, mit ihr über die Prüfungslektüre ins Gespräch zu kommen. Aus pädagogischer Sicht war der Tag ein wunderbarer Erfolg: Sowohl der Kontakt zu einer Gegenwartsautorin, als auch die Möglichkeit, direkt aus erster Hand Antworten auf die eigenen Fragen zu erhalten, hat die Schülerinnen und Schüler durch und durch motiviert. Die Hemmschwelle, mit Schriftstellern ins Gespräch zu kommen ist überwunden worden und die Jugendlichen haben erkannt, dass das Lesen eine wunderbare Reise in eine andere, faszinierende Realität ist, bei der man vielleicht sogar „ins Nordlicht blicken“ kann, wenn man sich dafür öffnet.