Die Gemeinde Gaschurn liegt im Hochmontafon, im Dreiländereck Tirol-Vorarlberg-Graubünden, etwa 120km von Ailingen entfernt. Ein paar unscheinbare Dörfer säumen die Straße in diesem immer enger werdenden Tal und, umarmt von steil abfallenden Hängen der Silvrettagruppe, liegt das 460-Seelen-Dorf Partenen. Hier, weit weg von zu Hause, weit weg von der Schule und weit weg vom Alltag, haben sich vom 8. bis zum 12. Juni 25 Schülerinnen und Schüler unserer Schule freiwillig und hochmotiviert aufgehalten.

Wer jetzt meint, sie seien zum Entspannen oder in der Vorfreude auf den Urlaub hierher gekommen, irrt gewaltig. Denn unter der sachkundigen Anleitung von Pascal Kaiser und Martin Obert war harte Arbeit angekündigt!

„Die Hütte ist der Startschuss für unseren sechswöchigen Endspurt!“, betonte Martin Obert bei der Ankunft.

Und während die Schülerinnen und Schüler ihre Zimmer bezogen, die unzähligen Kisten mit Nahrungsmitteln, Requisiten und Getränken, aber auch die persönlichen Gepäckstücke ins Haus brachten, besprachen sich Martin Obert und Pascal Kaiser noch über die letzten Finessen der Probearbeit. Dabei sollte es nicht nur um den Ausbau der eigenen Rolle gehen, sondern auch um die Verknüpfung der Lebenswelt der Schüler mit der Stückvorlage. „Wie kann ich die Gefühle meiner Figur ausdrücken?“ oder „wie bin ich als Schauspieler glaubhaft traurig, voller Freude oder wütend?“ Das waren die Fragen, die als Basis der Arbeit dienen sollten. Die so im szenischen Spiel von den Schülerinnen und Schülern erarbeiteten Improvisationen wurden Stück für Stück zur Grundlage der Weiterarbeit.

Acht, zehn, zwölf Stunden harte Arbeit – freiwillig! –, unterbrochen nur von den Essenszeiten, waren die Regel. Müdigkeit verspürte niemand. Im Gegenteil. Alle wuchsen, je länger die Probe ging, mehr und mehr über sich hinaus. „Ich war so geflasht, wie die Kids völlig selbstvergessen in ihrer Rolle aufgegangen sind!“, kommentiert Pascal Kaiser die Arbeitshaltung der jungen Schauspieler. Umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass mehr als die Hälfte der teilnehmenden Jugendlichen, bis zum Beginn der Proben, etwa dreieinhalb Monate zuvor, keine Vorerfahrung mit Bühne und Theater besaßen. Erst bei den ersten theaterpädagogischen Übungen und beim Ausprobieren im Spiel konnten sie erste Erfahrungen sammeln und Berührungsängste abbauen. In den darauf folgenden Wochen wuchsen jeden Mittwoch in der dreistündigen Nachmittagsprobe der Zusammenhalt der Gruppe und Erfahrungsschatz des Einzelnen.

Und nun Partenen: „Die Woche hat’s absolut herausgerissen! Wir haben unsere Schülerinnen und Schüler zum großen Teil nicht wieder erkannt. So sehr sind sie mit ihren Rollen verschmolzen, in ihnen aufgegangen!“, erinnert sich Martin Obert an die Proben in der „Theaterhütte“. Was die Schüler hier gelernt haben ist vor allem eines: sie haben das Theaterstück als „ihr“ Theaterstück verinnerlicht. Pascal Kaiser sagt dazu: „Wir waren nur noch am Rand für die Schauspieler da. Ab einem bestimmten Moment haben sie ihr Ding gemacht – und das war richtig klasse!“ Cornelia Brugger und Mathias Hager, die für die Verköstigung und für den Transport dabei waren, waren von der Woche im Montafon genauso begeistert. Beide sehen den Erfolg der gemeinsamen Arbeit und sind zuversichtlich, dass die Aufführung am Seehasenfest ein voller Erfolg werden wird.

Das Resümee dieser Woche, fassen sowohl Pascal Kaiser, als auch Martin Obert einstimmig
und präzise zusammen: „Die Woche hat in den Schülern noch mehr das Vertrauen zueinander gestärkt.
Sie trauen sich ihre Rollen zu spielen und nicht nur den Text der Rolle zu sprechen.
Das ist für uns alle eine berührende Erfahrung.

Für Pascal Kaiser, der seit 2013 Theaterpädagogischer Spielleiter ist und aktuell die Ausbildung zum Theaterpädagogen (BuT) absolviert, bedeutet dies zum Ersten Mal in die Rolle des Anleiters zu schlüpfen. ZUsammen mit Martin Obert leitet er die Theater AG

Für Martin Obert ist es die vierte Inszenierung eines Musicals an der Realschule Ailingen. Das Stück „Attacke, Amore, Quijote, Olé!...mit Sancho“ hat er auf Grundlage des Romans „Don Quichote“ von Miguel de Cervantes geschrieben und zusätzlich noch die Musik komponiert.

 

 

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